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Brot am Haken – Freude schenken

Etwas geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten – auch an Fremde. Der Verein Brot am Haken macht das mit einfachen Mitteln möglich.

Startup Gesellschaft München

Brot am Haken e.V. Logo

Brot am Haken ist eine bundesweite Initiative mit Sitz in München. Unter dem Motto "Einfach. Freude. Schenken." kann der Kunde in den beteiligten Geschäfte z.B. ein Brot kaufen und den Bon an den dafür vorgesehenen Haken hängen. Nehmen darf sich den jeder.

Brot am Haken e.V.

Michael Spitzenberger

Michael Regnet; F +49 89 55 05 26 05

gemeinnütziger e. V.

2015

Birkenau 5
81543 München
Bayern, Deutschland

info@brot-am-haken.org

Es ist ein normaler Montagmorgen in einer Bäckerei in München. Ein Kunde kommt herein. Er bezahlt zwei Brote – das zweite bleibt aber hinter der Theke, nur der Bon wandert an  eine kleine Holztafel mit einem Haken daran. Einige Stunden später kommt eine Kundin herein, sieht den Bon, nimmt ihn vom Haken und reicht ihn der Verkäuferin. Sie bekommt das bereits bezahlte Brot. Ist sie bedürftig? Eine Studentin? Alleinerziehende Mutter? Oder hat sie nur ihren Geldbeutel Zuhause vergessen? „Das ist uns egal. Ganz nach unserem Motto ‚Freude schenken‘ soll es ein Geschenk für jeden sein – nicht nur für Bedürftige“, sagt Michael Spitzenberger, Gründer von Brot am Haken.

Gründer von Brot am Haken: Michael Spitzenberger.
Caffè sospeso
Caffè sospeso: bedeutet so viel wie „der aufgeschobene Kaffee“ und hat sich im 20.Jahrhundert als fester Brauch in Neapels Café und Bars etabliert. Dabei wird nicht nur der eigene Espresso bezahlt, sondern noch ein weiterer, den sich der Barista notiert und der dann von einer anderen Person erfragt und getrunken werden kann. Durch die Finanzkrise 2008 verbreitete sich die Idee auch in anderen europäischen Ländern und nach Lateinamerika

Im Mai 2015 wurde das erste Brett in München aufgestellt – mittlerweile sind es 50 in ganz München. Zuvor hatte Michael als gelernter Hotelkaufmann in der Immobilienbranche gearbeitet, sich dann aber auf die Suche nach einer Arbeit mit Sinn gemacht. Sein großes Vorbild: Professor Faltin, der Initiator der Teekampagne. Bei seinen Recherchen stieß er auf Brot am Haken in Hamburg. Das Ehepaar Hekmet und Sören Özer hatten die Idee aus der Türkei mitgebracht, wo bei einem Bäcker die bezahlten Brote in einen Beutel gesteckt wurden, aus dem sich die Leute bedienen konnten. Aus dem Beutel wurde bei dem Ehepaar ein Brett mit drei Haken: Kaffee, Kuchen, Brot. Die Idee hinter dem Brot am Haken ist aber eigentlich noch älter. Sie stammt aus Italien, genauer gesagt aus Neapel, wo der „caffè sospeso“ ein alter Brauch ist.

2015 hat Michael dann die Idee und das Design in München zusammengebracht und sein erstes Brett in der Bäckerei Neulinger aufgestellt. Das war aber gar nicht so einfach. Denn die Idee das Brett mit den Infomaterialien für einen Starterpacket-Preis zu verkaufen, kam nicht so gut an. „Ich habe dann gefragt, ob er es ausprobieren würde, wenn es nichts kostet, und dann war er dabei“, sagt Michael. Denn so ein Brett bringt nicht nur Mehreinnahmen, sondern vielleicht auch bedürftige Menschen von der Straße in das Geschäft – und da sind einige Ladenbesitzer erst einmal skeptisch. Ein halbes Jahr stand dann das erste Brett dort auf Probe. Durch seine Kontakte und seine offene Art, brachte Michael das Thema unter die Leute und gewann weitere Bäckereien und andere Geschäfte dazu, wie einen Friseur, ein Kosmetikstudio und einen Dönerimbiss.

So viele Bons wurden innerhalb eines Jahres in der Bäckerei Neulinger an den Haken gehängt.

Anfangs ist Michael seiner Hauptbeschäftigung noch nachgegangen, aber irgendwann musste er sich entscheiden. Er beschloss sich ganz Brot am Haken zu widmen und bezog gemeinsam mit seinen Mitstreitern die ehemaligen Räumlichkeiten der Giesinger Brauerei. „Das hier ist ein Ort, an den die Leute wiederkommen, wo Menschen eintreten können und einen Raum der Begegnung vorfinden. Die Tür ist immer offen“, sagt Michael. Woran sie gerade noch arbeiten sind bessere Strukturen, mit denen die Initiative wachsen kann. Dann kann sich Michael auch vorstellen Minipraktika für Menschen, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben, anzubieten. Und eine weitere Idee von ihm ist, dass eine Seniorin aus der Nachbarschaft für alle kocht – so eine Art Nachbarschafts-Mittagtisch für mehr Gemeinschaft und gegen Altersarmut. Möglichkeiten gibt es viele und Michael hat noch viele Ideen. Doch dafür braucht es auch eine solide Finanzierung und an der arbeitet er gerade. „Es stehen zwei Ideen im Raum, wie wir da künftig vorgehen wollen. Bis das entschieden ist, bleibt es aber erst mal wie bisher“, sagt er.

Eine der vielen Ideen, die Michael so im Kopf herum geistern, ist auch schon auf dem Weg. Das Projekt „Unser täglich Brot“, das den Wettbewerb „Innovative Ideen zur Vermeidung von Lebensmittelverlusten“ des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forschen im Februar 2018 gewonnen hat, will übrig gebliebenes Brot vom Tage retten. Eigentlich keine neue Idee. Aber es geht nicht nur darum, das Brot bei den Bäckern abzuholen und weiterzugeben, sondern es in Form von Catering einen neuen Wert zu geben. „Es geht darum ein Bewusstsein zu schaffen. Denn die Frage ist auch, was wirklich frisch ist, wenn die Bäckerei  bereits um zwei Uhr morgens beliefert wird. Alte Ritter sind auch zehn Tage alt – Semmelknödel 20 Tage. Sauerteigbrot muss sogar meist reifen und schmeckt erst nach ein paar Tagen gut. Es geht also darum, es geschickt in einen anderen Kontext zu bringen“, sagt Michael. Die Idee war schon recht weit gereift, da wurde Michaels Geschäftspartner krank. Bis er wieder einsatzfähig ist oder sich ein weiterer Partner findet, wird Unser täglich Brot erstmal hintenangestellt.

Ein Teil des Brot am Haken-Teams (v. li. nach re.): Michael Regnet, Vincent Lang, Michael Spitzenberger.

„Gerade bin ich sehr mit Brot am Haken beschäftigt und möchte erst die eine Sache mit einer richtigen Struktur versehen. Wir wollen bekannter werden, aber dabei nicht die ursprüngliche Idee verlieren. Denn wenn ein Unternehmen wächst, dann wird auch der Druck größer erfolgreich zu sein – und das ist nicht wirklich Sinn der Sache. Es geht also vor allem um eine Standardisierung des Systems und nicht des Menschen“, sagt Michael.

 

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